Tomy Schicks

Bücher, die hinschauen.

Scharfe, komische Zeitdiagnosen — über das, wovor die meisten lieber wegscrollen oder wegschauen.

Die Bücher.

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Über den Autor.

Portraitfoto von Tomy Schicks: Mann Anfang 40 mit dunkler Hornbrille, kurzem Bart, dunklem Hemd, vor unscharfer Bücherwand.

Tomy Schicks ist das Pseudonym eines Vielfahrers, der über das schreibt, wovor die meisten lieber wegscrollen oder wegschauen. Mit trockenem Humor seziert er, was Bildschirme mit uns machen und wie Deutschland seine Zukunft verstolpert — hart in der Sache, nie überheblich gegenüber den Menschen.

„Ein Foto reicht. Interviews mit Gesicht gibt er trotzdem keine — das, findet er, passt ganz gut zum Thema."

Na? Sitzt du bequem? Schön. Dann muss ich dir jetzt leider den Tag versauen.

In dieser Sekunde, während du das hier liest, schiebt sich irgendwo ein erwachsener Mensch einen gehäuften Löffel Zimt in den Mund und filmt sich dabei. Einer springt freiwillig in ein zugefrorenes Loch, bei minus zehn Grad, für Leute, die er nie treffen wird. Und irgendeine sitzt vor dem Ringlicht und heult, als hätte sie gerade jemand sitzenlassen — mit Tränen, die auf Knopfdruck kommen wie bei mir morgens die schlechte Laune. Und weißt du, wer da zusieht? Millionen. Und weißt du, wer noch zusieht?

Du.

Genau, du. Telefon in der Hand, jetzt gerade, mit diesem Gesicht, als hättest du mit dem ganzen Zirkus nichts zu tun. Als wärst du nur zufällig vorbeigekommen. Mach das Gesicht mal weg. Das steht dir nicht.

Ich nenne das Ding beim Namen, weil sich sonst keiner traut: Das ist ein Zirkus. Nicht der schöne, mit Zuckerwatte und einem Clown, über den man lacht. Sondern der alte, ehrliche — die Jahrmarktsbude, vor der die Leute Schlange standen, um den Mann mit den zwei Köpfen anzustarren. Den Jahrmarkt haben wir bloß ins Telefon verlegt. Vierundzwanzig Stunden geöffnet, Eintritt abgeschafft, und das Beste: Die Attraktion meldet sich heute von allein. Die wird nicht mehr in den Käfig gesperrt. Die bewirbt sich um den Käfig. Die optimiert die Beleuchtung des Käfigs. Und wenn der Käfig zu wenig Reichweite bringt, heult sie darüber in einem zweiten Video.

Ich fange mit einem Geständnis an, sonst klingt gleich alles nach etwas, das es nicht ist.

Ich bestelle mir gerade mein erstes Elektroauto. Freiwillig, seit Jahren gewollt — und trotzdem hat es bis heute gedauert, weil ich es nicht durfte. Ich bin Außendienstler, ich sitze mehr im Auto als in meiner Wohnung, fünfzigtausend Kilometer im Jahr, das Ding ist mein Büro, mein Wartezimmer, mein Mittagstisch. Und der Wagen, in dem ich das alles erledige, gehört nicht mir. Er gehört der Firma. Und die Firma hat lange, sehr lange, sehr entschieden gesagt: kein Strom.

Jetzt sitze ich abends am Konfigurator, klicke mir zusammen, was ich seit fünf Jahren fahren wollte, und fühle mich dabei wie einer, dem man nach langem Betteln endlich erlaubt hat, erwachsen zu sein. Das ist keine schöne Geschichte über Fortschritt. Das ist eine Geschichte darüber, wie zäh dieses Land selbst dann bremst, wenn es eigentlich losfahren will.

Das musste am Anfang stehen. Sonst liest du die nächsten zweihundert Seiten falsch. Denn gleich werde ich sehr unfreundlich. Über Vorstände, über Minister, über eine Industrie, die sich zehn Jahre lang selbst beklatscht hat, während ihr das Wasser bis zum Kinn stieg.

Der bin ich nicht. Ich will die Wende. Ich will sie so sehr, dass ich fünf Jahre lang gegen meinen eigenen Arbeitgeber dafür gekämpft habe. Und genau deshalb darf ich schimpfen. Wer sich die Zukunft herbeigesehnt hat und dann zusehen muss, wie sie verhunzt wird, der hat ein Recht auf schlechte Laune.

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